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Modul 4: Metriken & Flow-Management
Lektion 5 von 5
14 Min.

Monte-Carlo-Prognosen

Verwendung historischer Daten für probabilistische Vorhersagen über zukünftige Lieferungen.

1Das Problem mit traditioneller Schätzung

Traditionelle Planung: Jedes Element schätzen, die Schätzungen summieren, sich auf ein Datum festlegen.

Warum das scheitert:

  • Einzelne Schätzungen sind unzuverlässig (Optimismus-Bias)
  • Fehler potenzieren sich (viele Schätzungen → große Fehler)
  • Einzelpunkt-Schätzungen ignorieren Variabilität
  • Niemand verfolgt, ob Schätzungen genau waren

Das Ergebnis: Termine, die niemand glaubt, Druck sich zu „verpflichten", und Vertrauensverlust.

Monte Carlo bietet einen anderen Ansatz: Nutze historische Daten, um viele mögliche Zukünfte zu simulieren, und berichte dann Wahrscheinlichkeiten.

2Wie Monte Carlo funktioniert

Grundkonzept:

  1. Historische Daten sammeln: Wie viele Elemente haben wir in den letzten N Wochen pro Woche abgeschlossen?
  2. Viele Zukünfte simulieren: Tausende Male zufällig aus der Historie ziehen
  3. Ergebnisse aggregieren: Welcher Prozentsatz der Simulationen war bis zu welchem Datum fertig?
  4. Wahrscheinlichkeiten berichten: „Es besteht eine 85%ige Chance, dass wir bis zum 15. März fertig sind"

Beispiel:

Historischer Durchsatz (Elemente/Woche): 5, 8, 6, 4, 7, 6, 9, 5

Um die Fertigstellung von 20 Elementen vorherzusagen:

  • Simulation 1: Woche 1 zieht 6, Woche 2 zieht 5, Woche 3 zieht 4, Woche 4 zieht 8 = fertig in 4 Wochen (6+5+4+8=23)
  • Simulation 2: Woche 1 zieht 4, Woche 2 zieht 4, Woche 3 zieht 5, Woche 4 zieht 5, Woche 5 zieht 4 = fertig in 5 Wochen
  • ... (10.000 Mal wiederholen)

Ergebnis: „85% der Simulationen waren innerhalb von 4 Wochen abgeschlossen. 95% innerhalb von 5 Wochen."

Monte Carlo erfordert keine Schätzung einzelner Elemente. Es nutzt die tatsächliche historische Leistung. Die Vergangenheit sagt die Zukunft besser voraus als optimistische Schätzungen.

3Monte-Carlo-Ergebnisse interpretieren

Monte Carlo liefert Konfidenzniveaus, keine einzelnen Termine.

Wie man Ergebnisse liest:

  • „50% Konfidenz: 10. März" — Münzwurf; könnte passieren, könnte nicht
  • „85% Konfidenz: 17. März" — Ziemlich wahrscheinlich, vernünftig für eine Zusage
  • „95% Konfidenz: 24. März" — Sehr wahrscheinlich, Puffer für fast alles

Welches Konfidenzniveau verwenden?

Hängt von den Konsequenzen ab, wenn man falsch liegt:

  • Niedriges Risiko: 50-70% Konfidenz ist in Ordnung
  • Normales Geschäft: 85% ist eine übliche Wahl
  • Hohes Risiko: 95% oder höher

Das ehrliche Gespräch: „Wenn Sie 85% Konfidenz brauchen, ist der Termin der 17. März. Wenn Sie 95% Konfidenz brauchen, ist es der 24. März. Was ist wichtiger – der frühere Termin oder die Sicherheit?"

4Monte Carlo für „Wann"-Fragen

Frage: „Wann werden diese 20 Elemente fertig sein?"

Methode:

  1. Zu erledigende Elemente zählen: 20
  2. Historische Durchsatzdaten holen (letzte 8-12 Wochen)
  3. Monte-Carlo-Simulation durchführen
  4. Datum beim gewünschten Konfidenzniveau berichten

Beispielausgabe:

  • 50% Konfidenz: Abschluss bis Woche vom 4. März
  • 85% Konfidenz: Abschluss bis Woche vom 11. März
  • 95% Konfidenz: Abschluss bis Woche vom 18. März

Dies ist eine „Wann"-Prognose — fester Umfang, variables Datum.

5Monte Carlo für „Wie viele"-Fragen

Frage: „Wie viel können wir bis zum 31. März liefern?"

Methode:

  1. Wochen bis zur Deadline berechnen: 4 Wochen
  2. Historische Durchsatzdaten holen
  3. Durchsatz für 4 Wochen viele Male simulieren
  4. Elementanzahl beim gewünschten Konfidenzniveau berichten

Beispielausgabe:

  • 85% Konfidenz: Mindestens 20 Elemente
  • 50% Konfidenz: Mindestens 25 Elemente
  • 15% Konfidenz: Mindestens 30 Elemente

Dies ist eine „Wie viele"-Prognose — festes Datum, variabler Umfang.

Das Planungsgespräch: „Bis zum 31. März sind wir zu 85% zuversichtlich, dass wir mindestens 20 Elemente abschließen können. Wenn Sie 30 Elemente wollen, müssten wir entweder das Datum verlängern oder Kapazität hinzufügen."

6Praktische Anwendung

Erste Schritte:

  1. Durchsatz verfolgen: Abgeschlossene Elemente pro Woche für mindestens 6-8 Wochen zählen
  2. Ein Tool verwenden: Tabellenkalkulation, Jira-Plugins, spezialisierte Tools (ActionableAgile, Nave, etc.)
  3. Einfach anfangen: Roher Durchsatz ohne Zerlegung
  4. Ehrlich berichten: Konfidenzintervalle teilen, keine falsche Präzision

Prognosen verbessern:

  • Mehr historische Daten = bessere Prognosen
  • Stabile Prozesse = engere Bereiche
  • Arbeit in ähnliche Größen zerlegen
  • Genauigkeit verfolgen und verfeinern

Was Monte Carlo nicht löst:

  • Neue Arbeitsarten ohne Historie
  • Größere Prozessänderungen (Vergangenheit ≠ Zukunft)
  • Kleine Stichprobengrößen (Müll rein, Müll raus)
  • Elemente, die von externen Faktoren abhängen

Für diese Situationen nutzen Sie Urteilsvermögen neben den Daten.

Monte Carlo macht Unsicherheit explizit. Das fühlt sich anfangs unangenehm an, baut aber mit der Zeit Vertrauen auf. „Wir haben den Termin eingehalten, bei dem wir zu 85% zuversichtlich waren" schlägt „Wir haben wieder eine Deadline verpasst."

Gute Verwendung

Das Produkt fragt „Wann können wir diese 15 Features haben?" Das Team führt Monte Carlo durch und berichtet: „85% Konfidenz bis Ende März, 95% bis Mitte April." Ein ehrliches Gespräch über Kompromisse folgt.

Schlechte Verwendung

Das Team hat 3 Wochen Durchsatzdaten und hat gerade seinen Prozess geändert. Sie führen Monte Carlo durch und verpflichten sich auf den 85%-Termin. Der Vorhersagewert ist niedrig, weil die Vergangenheit nicht die Zukunft repräsentiert.

Wichtige Erkenntnisse
  • Monte Carlo simuliert viele mögliche Zukünfte basierend auf historischen Daten
  • Ergebnisse sind Wahrscheinlichkeiten (85% Konfidenz), keine Einzelpunkt-Schätzungen
  • Funktioniert für „Wann wird X fertig sein?" und „Wie viel bis Datum Y?"
  • Erfordert ausreichende historische Daten und stabile Prozesse
  • Macht Unsicherheit explizit – baut Vertrauen durch ehrliche Prognosen auf

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