Simyl
simylflow
Kursübersicht
Modul 4: Teampraktiken
Lektion 5 von 5
11 Min.

Mob Programming

Das ganze Team, ein Computer, gemeinsam Probleme lösen.

1Was ist Mob Programming?

Mob Programming erweitert Pair Programming auf das gesamte Team. Statt zwei Personen an einem Computer arbeiten drei bis sechs Personen an einem Computer.

  • Eine Person tippt (der Driver)
  • Alle anderen denken, diskutieren und geben Anweisungen (Navigatoren)
  • Die Rollen rotieren häufig (alle 5-15 Minuten)

Das klingt absurd ineffizient. Fünf Personen erledigen die Tipparbeit einer Person? Aber Teams, die es ausprobieren, berichten oft von überraschenden Vorteilen.

Wenn Mobbing gut funktioniert, kann das Team:

  • Komplexe Probleme schneller lösen als Einzelpersonen
  • Wissen gleichzeitig an alle weitergeben
  • Bessere Entscheidungen durch unterschiedliche Perspektiven treffen
  • Fokussiert bleiben (kein Kontextwechsel)
  • Ein gemeinsames Verständnis des Codes aufbauen

Woody Zuills Beobachtung

Mob-Programming-Pionier Woody Zuill sagt: „Alle brillanten Köpfe arbeiten gemeinsam an derselben Sache, zur selben Zeit, am selben Ort, an demselben Computer."

2Wann man mobbt

Mobbing ist nicht für alles geeignet. Nutze es für:

Komplexe Probleme: Wenn keine einzelne Person über das gesamte benötigte Wissen verfügt. Die kombinierte Expertise des Mobs übertrifft jeden Einzelnen.

Entscheidungen mit hohem Risiko: Architekturentscheidungen, sicherheitskritischer Code, Dinge, die das gesamte System betreffen. Mobbing reduziert das Risiko, dass eine Person einen Fehler macht.

Wissenstransfer: Wenn alle gleichzeitig etwas lernen sollen. Eine neue Technologie, eine komplexe Domäne, unbekannter Code.

Onboarding: Neue Teammitglieder lernen die Codebasis, die Muster und die Kultur – alles auf einmal.

Blockaden lösen: Wenn etwas feststeckt, lösen neue Perspektiven es.

Nicht mobben bei:

  • Routinearbeit, gut verstandenen Aufgaben
  • Aufgaben, die individuelle Konzentration erfordern
  • Wenn das Team zu groß ist (>6 Personen wird chaotisch)
Guter Mobbing-Einsatz

Das Team muss ein neues Authentifizierungssystem entwerfen. Sie mobben einen Tag lang: Optionen erkunden, Entscheidungen treffen, den Kern implementieren. Alle verstehen das Ergebnis.

Verschwenderisches Mobbing

Das Team mobbt, um Konfigurationsdateien zu aktualisieren und Tippfehler in der Dokumentation zu korrigieren. Niemand lernt etwas. Einzelarbeit wäre schneller.

3Mobbing-Mechanik

Rollen:

  • Driver: Hände an der Tastatur. Tippt, was die Navigatoren sagen. Trifft keine Entscheidungen.
  • Navigatoren: Denken, diskutieren, geben Anweisungen. Ein Navigator spricht gleichzeitig, um Chaos zu vermeiden.
  • (Manche Teams fügen einen Facilitator hinzu, um die Dinge am Laufen zu halten.)

Rotation:

  • Alle 5-15 Minuten rotiert der Driver
  • Nutze einen Timer, um die Rotation durchzusetzen
  • Jeder kommt einmal als Driver dran

Strong-Style-Navigation:

  • „Damit eine Idee von deinem Kopf zum Computer gelangt, muss sie durch die Hände einer anderen Person gehen."
  • Navigatoren erklären die Absicht; der Driver findet die Tastenkombinationen
  • Das verhindert, dass eine Person dominiert

Setup:

  • Ein Computer, großer Bildschirm (oder Projektor)
  • Alle können den Bildschirm sehen
  • Bequeme Sitzgelegenheiten für längere Sessions
  • Remote: Bildschirmfreigabe mit allen Teilnehmern, eine Person hat jeweils die Tastaturkontrolle

4Remote-Mobbing

Mobbing funktioniert remote mit den richtigen Tools:

Bildschirmfreigabe: Eine Person teilt; alle schauen zu. VS Code Live Share oder ähnliches für gemeinsames Editieren.

Video an: Gesichter zu sehen hilft bei der Kommunikation.

Klarer Ton: Alle sollten hören und sprechen können.

Explizite Übergaben: „Okay, ich gebe die Tastaturkontrolle an Alice weiter."

Mehr Pausen: Remote-Mobbing ist noch intensiver als persönliches Mobbing. Mache alle 45-60 Minuten Pausen.

Schriftlicher Seitenkanal: Ein Chat-Kanal für Links, Notizen oder Nebenfragen, ohne den Sprecher zu unterbrechen.

Remote-Mobbing kann überraschend gut funktionieren. Die erzwungene Struktur (klare Übergaben, explizite Kommunikation) macht es manchmal besser als lockeres persönliches Mobbing.

Für Remote-Mobs nutze VS Code Live Share oder JetBrains Code With Me. Standard-Bildschirmfreigabe ist zu träge für kollaboratives Editieren.

5Hybride Ansätze

Du musst nicht die ganze Zeit mobben oder nie. Die meisten Teams nutzen Mobbing selektiv:

Mobben für Kickoffs: Starte neue Features als Mob, um die Richtung festzulegen, dann teile dich in Paare oder Einzelarbeit auf.

Mobben für Reviews: Statt asynchronem Code-Review als Mob reviewen – alle sehen den Code, diskutieren ihn und verbessern ihn gemeinsam.

Mobben zum Lernen: Wenn neue Technologie eingeführt wird, mobbt bei der ersten Nutzung. Wissen verbreitet sich sofort.

Solo oder Pair für Implementierung: Sobald die Richtung klar ist, können Einzelpersonen oder Paare schneller umsetzen.

Betrachte Mobbing als Werkzeug, nicht als Verpflichtung. Nutze es, wenn es Mehrwert bringt; nutze andere Ansätze, wenn sie besser geeignet sind.

Die Schlüsselfrage: Wird dieses Problem besser durch viele Köpfe oder durch individuelle Konzentration gelöst? Lass die Antwort deinen Ansatz leiten.

Wichtige Erkenntnisse
  • Mob Programming: ganzes Team, ein Computer, rotierender Driver
  • Am besten für komplexe Probleme, Entscheidungen mit hohem Risiko und Wissenstransfer
  • Driver tippt; Navigatoren denken und geben Anweisungen (einer nach dem anderen)
  • Rotiere häufig (5-15 Minuten), um alle einzubinden
  • Nutze Mobbing selektiv – es ist ein Werkzeug, keine Religion
Häufige Fehler, die es zu vermeiden gilt
  • Mobbing bei Routinearbeit (verschwendete Kapazität)
  • Eine Person dominiert die Diskussion
  • Rollen werden nicht rotiert (manche fahren nie)
  • Zu langes Mobbing ohne Pausen

Praxisübungen